Große Rennrad Rundfahrt rund um Kempten

Friedlich grasendes Braunvieh, sanfte Hügel, in der Ferne schimmernde Bergriesen, kleine Seen und einsame Sträßchen – das sind nur einige Gründe, warum diese Tour zu den schönsten der ganzen Region zählt. Über 165 Kilometer geht es in großem Bogen durch das Oberallgäu.

Rennrad Rundfahrt

Start der Rennrad Rundfahrt durch das Allgäu

Eckdaten zur Allgäu-Rundfahrt

3
Schwierigkeit
165 km
Streckenlänge
↑↓ 1750 Hm
Höhenmeter
12%
Steigung
8 Std.
Fahrzeit

Die große Allgäu Rundfahrt

Man muss schon einige Stunden über der Landkarte brüten, um eine 170-Kilometer-Runde zu finden, deren Streckenverlauf fast durchgängig über Nebenstraßen führt. Doch die mühevolle Arbeit der Verantwortlichen des RSC Kempten hat sich ausgezahlt: Ihre Radtouristikfahrt (RTF) »Die Allgäu-Rundfahrt« zieht jedes Jahr mehrere Hundert Teilnehmer an. Die hier vorgestellte Runde orientiert sich an der Streckenführung der bekannten RTF – ist sie doch wirklich ein wunderschönes Beispiel für die rennradlerischen Vorzüge der Region. Ihren Anfang nimmt die Allgäu-Rundfahrt beim Jugendcampingplatz Rotkreuz am westlichen Stadtrand Kemptens. Am RTF-Tag werden hier die Starterpakete an die Teilnehmer verteilt, bevor man sich über die holprige Nebenstraße auf den Weg nach Wirlings macht.

Rennrad Rundfahrt

Von Kempten geht es südwärts der Sonne entgegen

Ein Radweg führt dorthin, sodass man ohne Ablenkung das verkehrsreiche Kempten hinter sich lässt. Und das geht erstaunlich schnell: Nach ein paar Tritten merkt man nämlich schon nichts mehr vom Stadtgetümmel und kann direkt in die Oberallgäuer Natur eintauchen. Es ist früh am Tag und die Sonnenstrahlen wärmen die Beine. Wellig und kurvig zieht sich die Route im Folgenden durch das Hügelland nach Albris [km 2]. Bereits jetzt muss man genau hinsehen, dass man auf den verzweigten Sträßchen nicht die Orientierung verliert. Ein GPS-Gerät ist daher bei dieser Tour absolut ratsam. Doch darauf muss man sich einstellen, wenn man einen ganzen Tag auf idyllischen Wegen unterwegs sein will – das gilt ebenso für den Rollsplit sowie die Kuhfladen, die gelegentlich den Asphalt zieren. Die gemächlichen Wiederkäuer sind hier nämlich allgegenwärtig. Ruhig grasen sie auf ihren Weiden und blicken uns etwas verdutzt hinterher, als wir weiter südwärts gen Niedersonthofen pedalieren.

Später am Tag wird man mit großer Wahrscheinlichkeit auch einmal in einen der vielen Viehtriebe hier gelangen – eine witzige Angelegenheit. Rohr [km 6,5], Wachters [km 8,5] und Hupprechts [km 10] heißen die nächsten Stationen auf unserem Weg. Erneut geht es hügelig und äußerst kurvig dahin – aber viel ist hier nicht los. Während man also zwischen einsamen Bauernhäusern hindurchrollt, sticht einem neben dem Alpenkamm vor allem der Grünten ins Auge. Und auch den Niedersonthofener See kann man bald links unten erspähen. Eine steile Abfahrt führt schließlich in das gleichnamige Dorf hinunter, wo wir uns links in Richtung See orientieren.

Vorbei am Campingplatz gelangen wir so auf die Hauptstraße nach Immenstadt, die nach den zahlreichen kürzeren Steigungen nun auch den ersten längeren Berg bereithält. 70 Höhenmeter sind es auf etwas mehr als einem Kilometer, ehe man auf eine Abfahrt inklusive zweier Serpentinen in Richtung Eckarts [km 16] gelangt. Es rollt flott weiter, bevor man bei Zellers den südlichsten Punkt des Tages erreicht und links abzweigt. Die Route führt nun am Werdensteiner Moos, einer schönen Moorlandschaft, vorbei und unterquert die Bundesstraße B19 nach Häusern. Ein weiterer, guter Orientierungspunkt ist die gemächlich fließende Iller, die man am Ortseingang [km 20] passiert. Die Strecke führt jetzt beständig leicht bergauf, bis man nach 25 Kilometern Ottacker erreicht. Nach einer scharfen Linksabzweigung gen Moosbach steht hier auch der längste Anstieg des Tages auf dem Programm: 180 Höhenmeter sammelt man auf den nächsten vier Kilometern.

Rennrad Rundfahrt

Viehscheid auf der Rennrad Rundfahrt

Zu Beginn präsentiert sich der Berg dabei als äußerst steil und so verlässt man das Illertal recht rasch. Nach einer kurzen, flachen Passage im Dorf [km 27,5] geht es dann am Ortsende noch mal bergauf. Zur Belohnung bietet sich hier eine tolle Aussicht auf den Rottachsee. Rechts unten schimmert das Gewässer, während wir uns den Weg weiter nach Untergassen [km 30] bahnen. Wir befinden uns hier auf einem kleinen Höhenrücken, der ein fantastisches Panorama offenbart. Eine sehr ruhige Gegend – anderen Verkehrsteilnehmern begegnen wir kaum und in der Überzahl sind ganz klar die grasenden Wiederkäuer am Wegesrand. Hinter der Autobahn-Brücke über die A 7 geht es dann rechts nach Oberzollhaus [km 35], wo wir uns in der Ortsmitte links gen Schwarzenberg orientieren.

Eine kleine Welle vor dem Ort führt schließlich zum höchsten Punkt des Tages und zu einer tollen Aussicht auf das mittlerweile ganz nahe Ostallgäu. Erneut bewegen wir uns auf stillen Nebenstraßen, die ab und zu durch ein paar kleine Dörfer getrennt sind: Bachtel [km 42], Maria Rain [km 44] und Gschwend [km 46,5] lauten die folgenden Wegpunkte, ehe man das größere Nesselwang [km 48] erreicht. Nach der Brücke über die Wertach legt man die letzten Meter dorthin auf einem Radweg parallel zur Bundesstraße zurück.

TOUR AUF EINEN BLICK

km 0 Kempten
km 13 Niedersonthofen
km 35 Oberzollhaus
km 48 Nesselwang
km 67,5 Lengenwang
km 86,5 Unterthingau
km 98,5 Wildpoldsried
km 120 Böhen
km 135 Bad Grönenbach
km 147 Krugzell
km 165 Kempten

Sportliches Nesselwang

Der Luftkurort präsentiert sich als idyllische Gemeinde, die touristisch äußerst erschlossen ist: Vor allem Aktivurlauber kommen in der Berglandschaft auf ihre Kosten. Dabei ist man hier besonders stolz auf die heimischen Spitzensportler: Der mehrfache Olympiamedaillengewinner im Biathlon, Michael Greis, ist wohl der bekannteste, aber bei Weitem nicht der einzige Olympiateilnehmer aus Nesselwang. Über die sportliche Geschichte des Ortes kann man sich im Skimuseum informieren. Man könnte hier also durchaus einen ersten Einkehrstopp einlegen.

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Ein steiler Anstieg hinter Ottacker

Ein Tipp dafür ist im Sommer die etwa einen Kilometer östlich liegende Alpe Kögelhof, welche man auf dem folgenden Weg passiert. Wir verlassen die Gemeinde nach einer Linksabzweigung über den Hertinger Weg, nämlich nach Osten, und gelangen so auf einen Abschnitt, der sich als wahrer Reigen aus einsamen Nebenstraßen erweist: Die nächsten 20 Kilometer führen mitten durch die Ostallgäuer Hügellandschaft, die lediglich durch ein paar Wälder und einige Bauerngehöfte und Dörfchen getrennt wird. Hertingen [km 50,5] ist noch das größte von ihnen. Zur weiteren Orientierung auf der hügeligen und kurvigen Route ist vor allem Schwarzenbach [km 55] wichtig, das eine Linksabzweigung nach Norden markiert. Ansonsten gilt es, besonders die Landschaft zu genießen.

Vorbei am Schwaltenweiher [km 58,5] sind Batzengschwenden [km 60] und Holzleuten [km 62,5], wo wir Kurs auf Lengenwang nehmen, die nächsten Wegpunkte. 67,5 Kilometer stehen nun auf dem Tacho. Wir stoßen hier auf eine Hauptstraße, der wir nach Norden folgen. Auf dem Radweg können wir uns ein Wettrennen mit der parallel fahrenden Eisenbahn liefern, ehe wir in Sigratsbold [km 69] nach rechts abzweigen – ein kurzer Abstecher, mit dem wir die Hauptstraße umgehen und gleichzeitig eine weitere Allgäuer Ecke kennenlernen: Sulzschneid [km 72] und Balteratsried [km 74,5] werden durchfahren, ehe man nach einer Fahrt auf einem engen, mit Betonplatten gepflasterten, Weg zwischen Viehzäunen hindurch in Ronried [km 78] wieder auf den Hauptweg stößt.

Der Verkehr wird hier schlagartig mehr, was wohl am nahen Marktoberdorf liegt – und so verlassen wir die Landstraße bereits nach einem Kilometer in westlicher Richtung nach Engratsried [km 80,5] sowie gen Ober- [km 84,5] und Unterthingau [km 86,5]. Letzteres ist uns schon bei den Touren 1 und 6 untergekommen. Heute erklimmen wir allerdings nicht den Anstieg hinauf nach Schweinlang, sondern nehmen den wesentlich angenehmeren Berleberg [km 90] in Angriff. Zwischen Feldern und Wiesen hindurch ist man auch hier völlig alleine, sodass die folgende Kletterei nach Hochgreut [km 94] trotz ihrer acht Prozent nicht schwerfällt. Die Belohnung ist nicht nur eine wunderschöne Aussicht, sondern auch eine erholende, viereinhalb Kilometer währende Abfahrt hinunter nach Wildpoldsried [km 98,5], wo wir eine größere Rast einlegen können.

Auch in Wildpoldsried waren wir schon einmal zu Gast und so wenden wir uns, wie bei der Ausfahrt zwischen Wertach und Günz, nach rechts gen Frohnschwenden [km 99]. Nach einem kurzen Gastspiel im Oberallgäu überqueren wir vor Eufnach [km 102] erneut die Ostallgäuer Grenze. Weite Felder mit grasenden Rindern prägen auch hier das Landschaftsbild. Da der lang gezogene Anstieg bei Immenthal [km 106] sowie der Weg bis hinter Eschers [km 110] ebenso bekannt sind, kann man so gemütlich weiterrollen, ehe man vor Berg [km 112] links Richtung Schmalholz [km 114] abzweigt. Befand man sich bisher auf einem Höhenrücken, beginnt die Straße nun wieder zu fallen. Vier Kilometer kann man es rollen lassen – dann stößt man nach einer scharfen Rechtskurve auf die Landstraße nach Ottobeuren.

Wir halten uns links, um nach ein paar Tritten wieder rechts abzuzweigen: Das nächste Ziel heißt Böhen – 120 Kilometer sind mittlerweile geschafft. Nun befinden wir uns in der höchsten Gemeinde des Landkreises Unterallgäu und durchfahren den Ort.

Karte zur Rennrad Rundfahrt durch das Allgäu

Rennrad Rundfahrt

Karte: Allgäu Rennrad Rundfahrt um Kempten

Ostallgäuer Hügellandschaft

Böhen ist zugleich ebenso der Ausgangspunkt der nächsten Steigung: Gut 100 Höhenmeter legt man bis Oberwarlins [km 124] zurück. Auch wenn die Kletterei nicht allzu schwer ist, muss man sich mittlerweile eingestehen, dass die vielen kleinen Hügel Körner kosten. Die Route führt nach einer erneuten Abfahrt nach Schrattenbach [km 127], wo wir am Marienbrunnen vorbei in eine weitere ländliche Passage eintauchen.

Im folgenden Nebenstraßen-Gewirr gilt es daher, den Überblick zu behalten: Eichholz [km 129], Ziegelberg [km 133] und das größere Bad Grönenbach [km 135] sind die nächsten Stationen. Im Anschluss geht es erneut nach Süden und wir verlassen den Kneipp-Kurort über die Herbisrieder Straße in Richtung des gleichnamigen Ortes, den wir nach 138 Kilometern erreichen. Weite Wiesen öffnen sich hier und so geht es immer der Nase folgend nach Reicholzried [km 143]. Bereits von Weitem kann man die Pfarrkirche »St. Georg und Florian«, das Wahrzeichen des Dorfes, erkennen.

Auch die nächsten Kilometer führen durch ländliche Gefilde, bis man Krugzell [km 147], aus der »Krimi-Runde« [Tour 13] bekannt, erreicht. Wie schon zu Beginn der Ausfahrt überqueren wir hier die Iller. Zudem befinden wir uns jetzt am tiefsten Punkt der Runde – es muss also bald wieder aufwärtsgehen. Und diese Steigung erwartet uns sogleich: Sanft geht es über Wasserschwenden gen Depsried [km 150] hinauf. Noch einmal begrüßen uns grüne Felder, saftige Weiden und bunte Wiesen. Und getreu dem Motto »Braunvieh macht auch Mist«, gilt es auch, den einen oder anderen Kuhfladen zu umfahren. Fast ist man schon dazu geneigt, sich an die idyllischen Nebenstraßen dieser Runde zu gewöhnen – so viele Kilometer ist man nun bereits in der Einsamkeit unterwegs.

In Heiligkreuz [km 154] beradelt man dann erstmals wieder Kemptener Stadtgebiet – noch befindet man sich jedoch im Grünen. Auch fehlen immer noch einige Höhenmeter. Diese folgen aber bald: Kurz bevor wir die ersten Häuser Kemptens nämlich erreichen, zweigen wir rechts zum Mariaberg ab, der sehr schnell zu steigen beginnt. Und dieser Schlussanstieg hat es in sich: Knapp 150 Höhenmeter mit maximal neun Prozent versprechen ein schweißtreibendes Finale. Kurz vor Ermengerst [km 160] hat man es dann aber überstanden: Einer Linksabzweigung im Ort folgt eine lange Bergabpassage, bis wir über Ahegg [km 162] zurück zu unserem Ausgangspunkt beim Jugendcampingplatz Rotkreuz gelangen.

Höhenprofil zur Rennradrundfahrt rund um Kempten

Rennrad Rundfahrt

Höhenprofil: Große Rennrad Rundfahrt rund um Kempten

Tourencharakter Eine sehr lange Strecke, die eine sehr gute Ausdauer verlangt. Da längere Berge im Profil fehlen, lässt sie aber durchaus Luft, um die schöne Allgäuer Landschaft aufzusaugen.
Ausgangspunkt Kempten (666 m)
Endpunkt Kempten (666 m)
Karte Topografische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamts 1:200 000
Anfahrt Kempten liegt direkt an den Autobahnen A 7 und A 980.
Zug Als Hauptstadt des Allgäus ist es auch per Bahn von allen großen deutschen Städten aus sehr gut erreichbar.
Einkehr-Tipp Landgasthof Hirsch, Marktoberdorfer Straße 2, 87499 Wildpoldsried, Tel. 08304/92 37 30, info@hirsch-wildpoldsried.net, www.hirsch-wildpoldsried.net
Tourist-Info Tourist Information Kempten Rathausplatz 24, 87435 Kempten, Tel. 0831/252 52 37 oder 0831/194 33, touristinfo@kempten.de, www.kempten.de
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