Radtour über Rohrmoossattel und Riedbergpass

Egal ob Sommer- oder Wintersportler – Outdoor-Fans jeder Art kommen in Oberstdorf auf ihre Kosten. So auch wir Rennradfahrer: Hier beginnt nämlich nicht nur eine der anspruchsvollsten Allgäu-Touren, sondern auch eine der landschaftlich reizvollsten: die Fahrt über Rohrmoossattel und Riedbergpass.

Radtour Riedbergpass

Radtour auf einsamen Straßen zum Riedbergpass

Eckdaten zur Rennradtour auf den Riedbergpass

2
Schwierigkeit
65,5 km
Streckenlänge
↑↓ 1250 Hm
Höhenmeter
16%
Steigung
3 Std.
Fahrzeit

Mit dem Rennrad auf Deutschlands höchster Passstraße

Unter Deutschlands Bergstraßen hat der Riedbergpass eine Besonderheit vorzuweisen: Mit 1407 Metern über dem Meeresspiegel ist er der höchste befahrbare Gebirgspass Deutschlands. Es gibt zwar viele Anstiege, die höher hinaufführen – allerdings handelt es sich hier um reine Bergankünfte und keine Überschreitungen. Auch die weiter oben gelegene Roßfeldhöhenringstraße im Berchtesgadener Land wird nicht als Pass gewertet. Allein dieser Ehrentitel macht den Riedbergpass also zu einem lohnenswerten Ziel. Es wird jedoch nicht der einzige Grund bleiben, warum man sich hier hinaufquälen sollte – aber das wird man auf dieser Runde sehr bald feststellen.

Radtour Riedbergpass

Bergpanorama bei Siebratsgfäll

Unser Ausgangspunkt ist das beschauliche Oberstdorf. Die Marktgemeinde hat ebenfalls ein besonderes Prädikat inne: Sie ist die südlichste ihrer Art in ganz Deutschland. Noch bekannter ist Oberstdorf allerdings für seine zahlreichen Ferienangebote, die das gesamte Jahr abdecken. Vor allem Wintersportler kommen hier auf ihre Kosten. Und neben den vielen Pistenkilometer sind es wohl die hoch über dem Ort thronenden Skisprungschanzen, für die Oberstdorf äußerst berühmt ist. Dabei kann auch ein Spaziergang durch die 10000-Seelen-Gemeinde lohnenswert sein: Viele Bauernhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert zeugen von der langen Geschichte und Tradition der Ortschaft, über die man sich am besten im Heimatmuseum des Köcherlerhauses informieren kann.

Doch zurück zur Fahrt auf den Riedbergpass. Bevor wir den Anstieg ins Visier nehmen, erkunden wir erst einmal eine andere idyllische Bergstraße: den Rohrmoossattel. Der ist zwar nicht ganz so hoch wie sein benachbarter Kollege, aber dafür landschaftlich umso reizvoller. Wir verlassen Oberstdorf dazu über die breite Bundesstraße nach Sonthofen. Dieser Abschnitt ist allerdings nur von kurzer Dauer – hinter dem ersten Kreisel geht es nämlich links nach Tiefenbach. Während wir auf dem Radweg locker dahinkurbeln, beginnt sich schon jetzt das Seitental der Breitach zuzuschnüren und die Straße leicht anzusteigen. In Tiefen- bach [km 6] darf man dann die Abzweigung links ins Rohrmoostal nicht verpassen. Diese ist zwar beschildert, allerdings leicht zu übersehen.

Die Straße wird nun holpriger und kurzzeitig steiler. Ihre Schwierigkeit hält sich aber – wie am gesamten Anstieg – in Grenzen. Nach ein paar Metern mit sechs Prozent wird es sofort wieder flacher. An grünen Buckelwiesen und alten Bauernhäusern vorbei nähern wir uns so der beschrankten Mautstation [km 8], die uns vor allem eines signalisiert: Viele Autos verkehren hier nicht. Es wird nun felsiger, waldiger und schattiger. Vor allem wenn sich die Sonne in den Übergangsjahreszeiten lange hinter den Bergflanken versteckt, kann es hier sehr kühl werden – Wechselkleidung ist also Pflicht. Es folgt ein drei Kilometer langes Stück, auf dem man die meisten Höhenmeter des gesamten Anstiegs bewältigt: Steigungsprozente im zweistelligen Bereich bleiben allerdings aus, sodass man am Waldausgang noch frisch genug ist, um das sich hier öffnende Rohrmoostal mit seinen Almwiesen zu genießen.

TOUR AUF EINEN BLICK

km 0 Oberstdorf
km 14 Rohrmoossattel
km 24 Sibratsgfäll
km 37 Balderschwang
km 46 Riedbergpass
km 52 Obermaiselstein
km 55 Fischen
km 66 Oberstdorf

Sibratsgfäll – Vorarlberg von seiner Schokoladenseite

Radtour Riedbergpass

Idyllische Allgäuer Landschaft

Man passiert so bald den kleinen Ort Rohrmoos [km12]. Während für Autofahrer die Reise hier endgültig beendet ist, nähern wir uns weiter der Passhöhe, die wir über den sanft ansteigenden, schmalen und teilweise holprigen Weg zwei Kilometer später erreichen. Man befindet sich jetzt auf 1120 Metern über dem Meer. Richtig einsam ist es hier und man sollte die Ruhe wirklich aufsaugen. Interessantes Detail am Rande: Der Sattel ist Teil der europäischen Wasserscheide zwischen Rhein und Donau – ein Schild am Wegesrand zeigt die Linie an.

Wir kurbeln nun weiter zu einer anderen Grenze: dem Übergang nach Österreich. Eingerahmt von Bergwäldern, Felsen und Alpen- gipfeln geht es zum einsamen Weiler Hirschgund [km19] ein wenig hinab und einen Kilometer später markieren eine Brücke sowie ein Schild die Passage nach Vorarlberg. Auch wenn die Straße jetzt wie- der für den Autoverkehr freige- geben ist, bleibt einem die Einsamkeit erhalten. Es wird sogar immer schöner: Bald öffnet sich nämlich der Wald und gibt eine überwältigende Panoramasicht auf den Bregenzerwald frei. Eingerahmt von den Bergen, ein paar hölzernen Bauernhäusern und einigen grasen- den Kühen sollte man hier unbedingt etwas verweilen. Mehrere Bänke auf dem Weg nach Sibratsgfäll laden dazu ein, ehe man das Bergdorf auf welliger Strecke nach 24 Kilometern erreicht.

Traumhaft schmiegt sich der kleine Ort an den Grashang – Vorarlberg präsentiert sich hier wirklich von seiner Schokoladenseite. Unsere Tour wird inzwischen wieder bergiger. Auf den nächsten zweieinhalb Kilometern warten immerhin knapp 150 Höhenmeter auf ihre Bezwingung. Es wird wieder schattiger und erst das Sibratsgfäller »Auf- Wiedersehen«-Schild markiert das Ende des Anstiegs. In der flotten Abfahrt bietet sich uns dann auf der rechten Seite bereits ein toller Blick auf die vor uns liegende Strecke gen Breitenwang. Eine Ganskolonie weist schließlich den Weg nach rechts: Wir befinden uns nun wieder auf dem Weg nach Deutschland – der Riedbergpass wartet.

Höchster Punkt der Radtour: Der Riedbergpass

Den bekommt man vorerst aber nicht zu sehen: Auf einer breiten, zweispurigen Straße geht es wellig dahin. Zeit, sich etwas auszuruhen, bevor man die höchste Passstraße Deutschlands erreicht. Erst nach und nach beginnt die immer welliger werdende Strecke leichten Widerstand zu leisten – noch entschädigt die Kulisse allerdings für die Mühen: Felsige Buckelwiesen und grasende Rindviecher weisen den Weg nach Bayern und gen Balderschwang [km 37], dem ersten Ort hinter der Grenze. Die Gemeinde besitzt mit 1044 Metern übrigens den am höchsten gelegenen Ortskern innerhalb Deutschlands – ein weiterer Rekord dieser Runde.

Karte zur Rennradtour Rohrmoossattel und Riedbergpass

Radtour Riedbergpass

Karte Radtour Rohrmoossattel – Riedbergpass

Bis zur Eröffnung der Riedbergpassstraße 1961 war Balderschwang zudem lediglich von Öster- reich aus erreichbar. Deren Steigung beginnt schließlich vier Kilometer später. Und das mit einem Knall: So erhebt sich im Bergwald vor uns eine schattige Mauer in die Höhe – 16 Prozent zeigt ein Schild am Straßenrand an, dementsprechend quälend geht es nach oben. Etwas mehr als 300 Höhenmeter bewältigt man auf den kommenden viereinhalb Kilometern. Die Straße, die übrigens auch Teil der Königsetappe der Deutschlandtour 2002 war, ist dabei anfangs recht eng, erweist sich nach oben hin aber als gut ausgebaut. Serpentinen sucht man dabei vergeblich: Am Bergrücken entlang schlängelt sich der Weg in die Höhe, bis schließlich ein großer Parkplatz das Ende des Anstiegs anzeigt.

Hier können wir durch einen Linksabzweig zur Grasgehren-Hütte noch ein paar Extra-Höhenmeter sammeln, welche mit einer ausgiebigen Einkehr belohnt werden. Die Passhöhe mit dem begehrten Schild fin- det sich dann am Ende des Parkplatzes, bevor man sich in die ebenfalls bis 16 Prozent steile Abfahrt nach Fischen stürzt. Diese ist mit Vorsicht zu genießen: Zum einen aufgrund des enormen Gefälles, zum anderen weil es hier sehr rutschig sein kann. Auch hier fehlen Serpentinen – wie ein Wurm windet sich der Weg hinab. 650 Höhenmeter geht es dabei nach unten. Ab Obermaiselstein [km 52] wird es allerdings deutlich flacher und der Belag bessert sich spürbar. Geradewegs geht es nun nach Fischen und man erreicht den idyllischen Oberallgäuer Ferienort kurz hinter der Illerbrücke nach 55 Kilometern.

Hier kann man ebenfalls sehr gut einkehren, bevor man am Dorfende die letzte Steigung des Tages in Angriff nimmt. Gut 100 Höhenmeter sind es, die es über Oberthalhofen nach Schöllang [km 57] hinaufgeht. Durch einen Laubwald hindurch macht man so noch einmal gut Höhe. Am Ende wartet sogar noch einmal eine Rampe mit 14 Prozent, ehe man rechts auf die Hauptstraße zurück nach Oberstdorf abbiegt. Nun haben wir es fast geschafft: Geradeaus führen die letzten, ebenfalls landschaftlich sehr reizvollen, sieben Kilometer wieder nach Hause. Dabei befindet man sich auf einem Höhenrücken, der noch einmal eine tolle Sicht auf die Gegend freigibt, die den heutigen Tag auf dem Rad bestimmt hat: das Rohrmoostal und den Riedbergpass – die höchste Passstraße Deutschlands.

Höhenprofil zur Rennradtour Oberstdorf – Riedbergpass

Radtour Riedbergpass

Höhenprofil: Radtour Riedbergpass

Tourencharakter Die erste echte Bergetappe im Allgäu. Neben einer geeigneten Übersetzung – längere Steigungen im zweistelligen Bereich sind keine Seltenheit – sollte man daher auch auf entsprechende Kleidung achten.
Ausgangspunkt Oberstdorf (804 m)
Endpunkt Oberstdorf (804 m)
Karte Topografische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamts 1:50 000
Anfahrt Per Auto erreicht man den Oberstdorf über die Bundesstraße B19 aus nördlicher Richtung.
Zug Der Markt verfügt zudem über einen Bahnhof, der aus allen Richtungen Deutschlands angefahren wird.
Einkehr-Tipp Grasgehren Berghütte Riedbergpass 1, 87538 Obermaiselstein, Tel. 08326/77 73, info@berghuette-grasgehren.de, www.berghuette-grasgehren.de
Tourist-Info Tourismus Oberstdorf, Prinzregenten-Platz 1, 87561 Oberstdorf, Tel. 08322/70 00, info@oberstdorf.de, www.oberstdorf.de
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