Hochtannbergpass – Rennrad Tour um die Lechtaler Alpen

Von Sonthofen aus geht es auf knapp 190 Kilometern gegen den Uhrzeigersinn einmal um die Lechtaler Alpen – Besuche in Vorarlberg und Tirol inklusive. Das Highlight ist dabei der 1676 Meter hohe Hochtannbergpass. Ein langer, aber wunderschöner Tag im Sattel.

Beim Aufstieg zum Hochtannbergpass begegnet man imposanten Kurvenkonstruktionen.

Eckdaten zur Rennrad Tour über den Hochtannberpass

3
Schwierigkeit
189,3 km
Streckenlänge
↑↓ 2620 Hm
Höhenmeter
16%
Steigung
9 Std.
Fahrzeit

Noch liegt Sonthofen im Schatten der Allgäuer Bergwelt. Wenn wir in die Pedale einklicken, leuchten gerade die ersten Sonnenstrahlen über die umliegenden Gipfel. Es gibt aber einen guten Grund für diesen frühen Aufbruchszeitpunkt: Fast neun Stunden wird man bei dieser Tour auf dem Rad verbringen. Es gilt also, die Flaschen im Vorfeld komplett aufzufüllen und die Trikottaschen nicht nur mit Windjacke und Ärmlingen, sondern auch mit reichlich Proviant zu füllen – nicht, dass man irgendwo in den Lechtaler Alpen den gefürchteten Hungerast erleidet.

Wir verlassen die Kreisstadt – übrigens Heimat des ehemaligen Ski-Rennläufers und Hobby-Radsportlers Frank Wörndl – über die Sonthofener Straße in Richtung Norden und erreichen so auf der leicht ansteigenden Straße bald das, aus sportlicher Sicht vor allem für den Allgäu Triathlon bekannte Immenstadt [km 7; siehe Tour 14]. Bevor man allerdings einen Blick auf den großen Alpsee erhaschen kann, muss man sich erst durch den Ort wühlen. Das gelingt am besten, indem man sich an die deutlich sichtbaren Radweg-Beschilderungen hält. Über diese findet man auch gut zum See und dem an dessen Nordufer entlangführenden Radweg, der einen vor der viel befahrenen B308 bewahrt. Wir befinden uns nun auf einem kleinen, aber feinen Sträßchen, auf dem man sich – immer an den Bahnschienen entlangkurbelnd – bestens für die bevorstehenden Kletterpassagen einrollen kann. Es geht weiter Richtung Oberstaufen. Zwischen bewaldeten Bergbuckeln hindurch nähert man sich auf flachem bis welligem Gelände dem Markt, den man schließlich über Wiedemannsdorf [km 15] und Wengen [km 22] nach einer Rechtslinks- Abzweigung erreicht.

Hinter der Landesgrenze erhält man einen weiten Ausblick auf den Bregenzerwald.

Oberstaufen [km 25] hat Besuchern neben einer schönen Kulisse mit dem Heimatmuseum »Beim Strumpfar«, dem Bauernhofmuseum »S’Huimatle« und einer Schaukäserei allerlei zu bieten. Auch auf unserer Tour ist dieser Ort auf jeden Fall für einen frühen Kaffeestopp gut. Lang sollte dieser aber nicht ausfallen – schließlich ist man noch einige Zeit unterwegs. Die Strecke führt danach am Bahnhof entlang weiter auf die Mühlenstraße. Hier muss man im Kreuzungswirrwarr unbedingt den Überblick behalten. Richtig liegt man, wenn man über eine Linksserpentine mit einer markanten Mauer bergab gen Dornbirn fährt. Die schöne, kurvige und vor allem gut geteerte Abfahrt führt uns nach Weißach und schließlich auf leicht abfallender Strecke und einem Radweg über das kleine Ach [km 32] in das benachbarte Österreich.

Der Bregenzerwald

Zu Beginn der Runde passiert man den Immenstädter Alpsee.

Mit dem Überradeln der durch eine Brücke markierten Landesgrenze erreicht man nicht nur das österreichische Bundesland Vorarlberg, sondern auch den Bregenzerwald. Die ehemals gänzlich von Bäumen bedeckte Region ist heute stark von Landwirtschaft geprägt. Neben der 1000-jährigen Geschichte, der bäuerlichen Tradition und der Holzbaukunst sind auch die hier gesprochenen Mundarten sehr interessant: So gibt es in fast jedem Ort eine andere Sprachfärbung – die Dialekte haben dabei alemannische Wurzeln und erinnern stark an eine Mischung aus Schwyzerdütsch und Schwäbisch. Unsere Tour führt mitten hinein in diese Bergregion. Über Unterlitten [km 32,5] und Meierhof [km 35] sowie eine imposanten Brücke über die Bolgenach gelangt man, begleitet von der einen oder anderen grasenden Kuh und einem tollen Blick in das Tal rechts, nach Krumbach [km 38], wo wir rechts gen Langenegg abbiegen.

Auffällig sind bereits hier die für diese Region so typischen alten, mit Holzschindeln gekachelten Häuser. Eine Bauart, die man »Bregenzerwaldstil« nennt. Die Landschaft wird nun offener und auch welliger. Wir befinden uns auf einer breiten, gut asphaltierten Landstraße, die leicht berg – ab gen Langenegg [km43] führt. Eine kurze, serpentinenartige Abfahrt bringt uns weiter Richtung Lingenau – mit seiner knapp 800- jährigen Geschichte übrigens einer der ältesten Orte in dieser Region. Viele kleine Häuschen zieren jetzt den Streckenrand, vereinzelte Wälder, verschneite Berge und saftige Weiden – Bregenzerwald-Kulisse vom Feinsten. In Lingenau [km 46] zeigt uns dann erneut ein komplett in Holz gekacheltes Haus den Weg an: Es wird nach links abgebogen.

TOUR AUF EINEN BLICK

km 0 Sonthofen
km 25 Oberstaufen
km 38 Krummbach
km 50 Egg
km 68 Schnepfegg
km 93 Hochtannbergpass
km 131 Elmen
km 149 Weißenbach am Lech
km 171 Oberjoch
km 189 Sonthofen

Im Anschluss geht es direkt weiter bergauf gen Egg. Bevor man die Gemeinde allerdings erreicht, gilt es noch, die eindrucksvolle und sehr hohe Brücke über die Subersach, einen Nebenfluss der Bregenzer Ache, zu überqueren. Es scheint, als müsste man die gesamten Höhenmeter, die man gerade von der Brücke hinabgeschaut hat, herunterfahren. Bloß eine Abfahrt bedeutet auch immer eines: Man muss irgendwann auch wieder hinauf! In Egg [km 50] biegt man dann an der großen Kreuzung zur Bregenzerwaldstraße L200 links ab. Eine Radfahrerspur hilft auf der viel be – fahrenen Route. Auch ist hier erstmals das Tageshighlight, der Hochtannbergpass, angeschrieben. Das Gelände wird nun bergiger und die Anstiege länger – das muss man bereits am Ortsausgang von Egg feststellen.

Bergige Aufwärmübung

Über Andelsbuch [km 51] und Unterbezegg [km 52,5] gelangt man an einen Kreisverkehr, an dem man die zweite Ausfahrt nach links nimmt. Es geht nun in ein von Felsen eingerahmtes, bewaldetes Tal. Ein optischer Leckerbissen ist hier die alte Dampflock, die man mit etwas Glück erblicken kann: Es handelt sich um die Bregenzerwaldbahn, die heute nur noch auf einem fünf Kilometer langen Stück nach Bezau zu Museumszwecken in Betrieb genommen wird.

Verdiente Rast: Zwischenstopp auf der Abfahrt vom Hochtannbergpass

Wie sie, folgen wir der Straße entlang der Bregenzerach in Richtung Bezau. Der Verkehr lässt nun nach und man kann sich auf die vorliegenden Bergprüfungen vorbereiten. Kurz vor Reuthe [km 61] verlassen wir die L200 und überqueren den Fluss, um direkt nach der Brücke rechts nach Bizau zu kurbeln. Es folgt der erste lange Anstieg des Tages nach Schnepfegg. Diesen kann man übrigens auch umfahren, wenn man der L200 treu bleibt: So spart man sich zwar kaum Kilometer, dafür aber viele Höhenmeter. Ein paar grasende Esel sowie einige Bauernhäuser markieren den Beginn des Berges. Am Ende des Ortes springt die Steigung auf zehn Prozent und mehr hinauf. Drei kurze, aber sehr steile Serpentinen lassen Bergfahrer – herzen schneller schlagen. Die mittlerweile schweißtreibende Mittagssonne sorgt für zusätzliche Schwierigkeiten. Die Steigung lässt im Folgenden zwar etwas nach, bleibt aber weiterhin teilweise zweistellig und sehr fordernd.

Gut vier Kilometer mit 250 Höhenmetern sind es, die man hier überwinden muss. Ein weiter Rechtsbogen und einige enge, im Wald liegende Kurven – dann hat man es geschafft und Schnepfegg [km 68] ist erreicht. Hier gibt es im Berghaus Kanisfluh eine wunderschöne Einkehrmöglichkeit mit tollem Terrassenblick auf die gleichnamige Bergwand, ein Wahrzeichen des Bregenzerwaldes. Die anschließende Abfahrt ist zwar nicht steil, dafür aber eng, holprig, unübersichtlich und kurvig. Man sollte hier also vorsichtig agieren, um einen blöden Sturz zu vermeiden.

Die Kirche in Schnepfau [km 71] und das nebenstehende Kriegerdenkmal sind dann die nächsten Wegweiser: Es geht links, bis man wieder auf die L 200 stößt und die Fahrt zum Hochtannbergpass fortsetzen kann. Im folgenden Schnepfauer Tunnel sollte man dann erstmals das mitgeführte Licht einschalten.

Der Hochtannbergpass

Die Straße beginnt nun immer wieder, in verschiedenen Stufen mit drei, vier Prozent an – zusteigen. In Au [km 75] könnte man rechts zum Furka- bzw. Faschinajoch abbiegen, hält sich aber links. Es öffnet sich ein breites Tal, bis man auf flacher Strecke Schoppernau [km 78] erreicht. Die Straße steigt nun erneut mit gut drei Prozent an. Nicht viel, aber genug, um den Laktatspiegel der Muskeln beständig zu erhöhen. Das Tal wird jetzt enger, die Felswände links und rechts werden steiler und nachdem man die Bregenzer Ache erneut überquert und einen weiteren Tunnel durchfahren hat, zieht die Steigung bis auf fünf Prozent an. Bei Bad Hopfreben [km 81] wird es wieder flacher.

Höhenprofil der Rennradtour

Die auf der grünen Lichtung verteilten Holzhäuser sind ein echtes Idyll – gleichzeitig markieren sie auch den richtigen Beginn des Berges. Mehrere Galerien und Tunnels sind nun zu durchfahren und man schraubt sich schnell in die Höhe. Hinter Schröcken [km 88] wird der Blick freier und man fährt über eine spektakuläre, frei schwebende Kurve der Passhöhe entgegen.

Die Straße ist auffällig gut ausgebaut, was neben uns Rennradlern natürlich auch viele Motorradfahrer anlockt. Die Steigung bleibt dabei stets erträglich, sodass man locker kurbelnd und nach fünf weiteren Kehren auf den nächsten zwei Kilometern die Passhöhe [km 93] auf 1676 Metern erreicht. Dank der weiten Almmatten ist Grün hier die dominierende Farbe. Kein Wunder, dass es auch viele Bergwanderer in diese Gegend zieht. Einen kurzen Blick auf den rechts gelegenen Kalbelesee kann man noch erhaschen, bevor man sich in die rasende Abfahrt stürzt. Da die Straße auch hier sehr gut ausgebaut ist, rollt es schnell bergab. In Warth [km 98] halten wir uns bei der Abzweigung nach St. Anton links und rasen dem Lechtal entgegen.

Mit etwas Glück wird man später von der Bregenzerwaldbahn begleitet

Ein Abschnitt, den man wirklich genießen sollte: Fast 50 Kilometer geht es nun auf breiten, schönen Straßen so gut wie ausschließlich bergab oder gerade dahin durch das Lechtal. Die einzige wesentliche Gefahrenstelle ist dabei ein Tunnel kurz hinter Warth. In Steeg [km 109] hat man den Großteil der zuvor mühevoll gesammelten Höhenmeter bereits wieder verloren. Während sich das Lechtal ständig weiter öffnet, wird die Vegetation immer dichter. Über Holzgau [km 113] und Bach [km 118] – hier unbedingt auf die spektakuläre Brücke über den Lech achten – erreicht man Elmen [km 131]. Diesen Weg kennt man schon von der dritten Tour, als man hier von der rechts einmündenden Hahntennjoch-Straße eingebogen ist. Der tiefblaue Strom fließt durch die weiß schimmernden Kiesbänke dahin. An einem warmen Sommertag müsste man fast noch eine Pause einlegen, so schön ist es hier.

Rennfahrer-Tipp: Arlberg Giro
Nicht weit vom Hochtannbergpass entfernt – gerade einmal 25 Kilometer südlich – liegt St. Anton am Arlberg. Dort findet Ende Juli mit dem Arlberg Giro ein Radmarathon statt, der auch einen Jedermann an seine Grenzen bringt: Zwar führt die 148 Kilometer lange Route nicht über den Hochtannbergpass, hält aber mit dem Arlbergpass und der Bieler Höhe insgesamt 2400 anspruchsvolle Höhenmeter für die Teilnehmer bereit. Informationen findet man unter www.arlberg-giro.com.

Finale am Gaichtpass

Doch noch verbleiben ganze 50 Kilometer bis nach Sonthofen. Und vier davon haben es in Form des Gaichtpasses ganz schön in sich: In Weißenbach am Lech [km 149] links abgebogen, beginnt die Straße, am Ortsausgang in einer lang gezogenen Rechtskurve mit bis zu acht Prozent anzusteigen. Auf den folgenden vier Serpentinen werden immerhin etwas mehr als 200 Höhenmeter überwunden, die zusammen mit der bisher bewältigten Strecke ziemlich schmerzen können.

Die nächsten 35 Kilometer führen durch das bereits bekannte Tannheimer Tal [Touren 3 und 11], das aufgrund seiner Lage zwischen den Lechtaler und Allgäuer Alpen immer wieder ein Genuss ist. Nesselwängle lässt man schnell hinter sich, genauso den Haldensee und Tannheim [km 163], und erreicht hinter Schattwald [km 169] die deutsch-österreichische Grenze. Das hier zu überquerende Oberjoch [km 171] ist gleichzeitig der letzte kurze Anstieg des Tages.

Karte zur Tour auf dem Hochtannbergpass

Mit seinen 100 Höhenmetern fällt es zwar im Vergleich zu den restlichen Höhenmetern dieser Tour kaum ins Gewicht – mit 170 Kilometern in den Beinen ist es aber doch noch mal eine ordentliche Herausforderung. Zur Belohnung können wir dafür die schöne, mit vielen Serpentinen gespickte Abfahrt nach Bad Hindelang [km 180] genießen. Die letzten neun Kilometer geht es schließlich locker zu – dann ist das Ortsschild von unserem Startpunkt Sonthofen [km 189] erreicht. War die Kleinstadt zu Beginn noch im Schatten gelegen, ist die Sonne nun schon weit in der zweiten Hälfte ihrer Tagesreise angelangt. Kein Wunder – hat man doch beinahe neun Stunden im Sattel verbracht. Die Königsetappe ist geschafft.

Infos zur Hochtannbergpass Rennradtour

Tourencharakter Eine echte Hochgebirgsetappe. Die vielen Berge und vor allem die Länge der Route verlangen eine äußerst gute Ausdauer. Man sollte im Vorfeld schon ein paar Tausend Kilometer in den Beinen und bereits eine ähnliche Tour unternommen haben, anderenfalls erlebt man eine böse Überraschung. Es gibt schließlich keine Abkürzungsmöglichkeit.
Ausgangspunkt Sonthofen (745 m)
Endpunkt Sonthofen (745 m)
Karte Topografische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamts 1:200 000
Anfahrt Per Auto gelangt man über die Bundesstraßen B 19 und B 318 nach Sonthofen.
Zug Die Stadt verfügt zudem über eine Zugverbindung aus allen großen deutschen Städten.
Sicherheit Die Mitnahme von Licht ist aufgrund vieler Galerien und Tunnels Pflicht. In der kalten Jahreszeit sollte man sich zudem über die Befahrbarkeit des Hochtannbergpasses
Einkehr-Tipp Berghaus Kanisfluh Schnepfegg 54 A-6882 Schnepfau Tel. 0043/(0)5518-21 08 info@kanisfluh.net www.kanisfluh.net
Tourist-Info Stadt Sonthofen Rathausplatz 1 87527 Sonthofen Tel. 08321/6150 stadt@sonthofen.de www.sonthofen.de
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