Füssen: Eine Rennrad Tour auf König Ludwigs Spuren

Als Märchenkönig wird König Ludwig II. von Bayern wegen seiner zahlreichen Schlossbauten im Volksmund bezeichnet. Einige davon wird man auf dieser Reise kennenlernen. Über 113 Kilometer geht es von Füssen aus einmal rund um das Ammergebirge.

Füssen Rennrad Tour

Rennrad Tour mit Panoramablick bei Füssen

Eckdaten zur Rennradtour Füssen und Ammergebirge

3
Schwierigkeit
113,0 km
Streckenlänge
↑↓ 1240 Hm
Höhenmeter
10%
Steigung
5 Std.
Fahrzeit

Schlossromantik auf der Rennrad Tour ab Füssen

Bereits von frühester Kindheit an pflegte der spätere König Ludwig II. eine besondere Beziehung zur Region rund um Füssen. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Otto verbrachte er einen großen Teil seiner Jugend in dieser Gegend, insbesondere auf dem nahen Schloss Hohenschwangau. Auch das weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus bekannte Schloss Neuschwanstein findet man hier. Es wird das Ziel dieser Tour sein, bei der man mit jedem Tritt mehr über den Märchenkönig lernen wird.

Füssen Rennrad Tour

Die Wieskirche bei Füssen

Wie schon bei der Runde zuvor ist Füssen der Ausgangspunkt unserer Reise. Wir verlassen die malerische Stadt über die Bundesstraße B17 in Richtung Osten. Bereits jetzt liegt ein Hauch von Schlossromantik in der Luft und spätestens wenn man das nahe Schwangau [km 3] passiert hat, kann man zum ersten Mal einen Blick auf das Schloss Neuschwanstein erhaschen. Bevor wir uns allerdings näher mit diesem kunstvollen Bauwerk beschäftigen, gilt es, zunächst einmal Strecke zu machen: Schließlich wird man ganze fünf Stunden im Sattel verbringen. Am besten gelingt das, wenn man weiter der breiten Hauptstraße folgt. Wer dem Verkehr entgehen will, kann zwar wie bei der Runde zuvor die einsame Radroute zwischen Bannwald- und Forggensee wählen – schneller geht es aber definitiv über die B17.

Die Autofahrer sind hier zwar wesentlich aufdringlicher, aber spätestens vor Buching [km 10] kann man dem Trubel auch hier über einige Nebenstrecken bis nach Trauchgau ausweichen. Zwischen Kuhweiden hindurch und an einigen Bauernhöfen vorbei geht es so nordwärts. Vor allem im Sommer sollte man jetzt den Blick zum Himmel richten: Gleitschirmflieger in allen erdenklichen Farben nutzen die warme Thermik gerne aus, um in dieser wunderschönen Gegend ihrem Hobby nachzugehen.

Einige 100 Meter unter ihnen erreichen wir schließlich Trauchgau [km14], das uns auf einen leicht aufwärts führenden Radweg nach Un- terreithen [km 16] schickt. Nun beginnt der ruhige Teil dieser Tour: Nach einer Rechtsabzweigung verlassen wir nämlich die B 17 und kommen so auf eine schmale Nebenstraße, die am Ortsausgang direkt den ersten Anstieg für uns bereithält. Lang ist er zwar nicht, aber eines wird spätestens hier klar: Flach wird die Umrundung des Ammergebirges auf keinen Fall. Die landschaftlich attraktive Gegend schafft allerdings einen Ausgleich zu den sportlichen Anforderungen – genauso wie die zahlreichen Kultur-Stationen am Wegesrand.

TOUR AUF EINEN BLICK

km 0 Füssen
km 16 Unterreithen
km 31 Wildsteig
km 54 Oberammergau
km 85 Am Plansee
km 95 Breitenwang
km 110 Füssen
km 113 Schwangau

Kulturdenkmal Wieskirche

Füssen Rennrad Tour

Eine Wege-Bekanntschaft auf der Rennradtour Füssen

Eine davon ist die Wieskirche, die man über einen wahren Reigen an einzelnen Weilern und verzweigten Nebenstraßen erreicht: Fronreiten [km 19,5], Schlatt [km 21] und Hiebler [km 22,5] heißen die nächsten Wegepunkte. Wunderschön schlängeln sich die einsamen Wege durch die Wälder – die Alpen sind stets zum Greifen nah. Die zahlreichen Kreuzungen machen schnell klar: Man muss hier gut navigieren können. Eine Hilfe ist dabei die Beschilderung zur Wieskirche, die man nicht weit hinter dem tiefblauen Oberlindegger See erreicht.

Die Wallfahrtskirche zählt zum Welterbe der UNESCO und ist daher ein nicht nur von Gläubigen zahlreich besuchter Anlaufpunkt. Während Rinder am Hang gegenüber genüsslich grasen, sollte man am Kirchenschiff eine kurze Pause einlegen, ehe es weiter nach Wildsteig geht. Die Straßen sind weiterhin einsam, schmal und perfekt zum Radfahren. Das Gelände zeigt sich dabei wellig und abwechselnd von Wäldern und als Weidegründe genutzten Wiesen durchzogen. Wildsteig erreicht man so nach 31 Kilometern. Der nördlichste Punkt der Ausfahrt ist nun erreicht – nach einem Rechtsabzweig wenden wir uns nun wieder den Alpen im Süden zu. Das geschieht natürlich wieder auf einsamen Wegen.
Erneut gilt es, Landluft zu schnuppern, wenn man genüsslich über Morgenbach [km 34] nach Peustelsau kurbelt. Bauern mähen ihr Gras und da neben den weidenden Kühen hier nichts als reine Natur geboten wird, könnte man fast meinen, die Zeit sei stehen geblieben. Ein Abschnitt, der wirklich dazu einlädt, vom stressigen Alltag Abschied zu nehmen und die Seele baumeln zu lassen.

Erst vor Peustelsau [km 39] wird man wieder aufgeweckt, wenn es eine 14-Prozent-Abfahrt hinuntergeht, ehe man einige Pedalumdre- hungen später im Wald mit Altenau nach längerer Zeit erneut eine größere Ortschaft erreicht. 45 Kilometer sind nun geschafft – Oberammergau heißt jetzt unser nächstes Ziel, das wir über den Ammer-Radweg schnurstracks ansteuern. Über gut ausgeschilderte Nebenstraßen kommen wir so nach Scherenau [km 48,5] sowie Unterammergau [km 50], ein Ort, der lange für seine Wetzsteinherstellung bekannt war, bis man schließlich nach 54 Kilometern mitten in Oberammergau steht.

Die Gemeinde ist das nächste kulturelle Highlight dieser Runde. Die alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspiele ziehen zahlreiche Besucher an – genauso wie die hier ansässigen Holzschnitzereien oder die bunt bemalten, ländlichen Häuser. Auch Ludwig II. hat hier seine Spuren hinterlassen: Jedes Jahr am 24. August, dem Vorabend des Geburtstages des Königs, zelebriert der gesamte Ort dieses Ereignis mit einer beeindruckenden Gedächtnisfeier. Auch zur Mittagspause ist es nun nicht mehr weit: Die erreichen wir am besten, wenn wir am Ortsende rechts abbiegen und im Schatten des Kofels leicht ansteigend dahinrollen, bis wir an der Linderhofer Straße [km 59] links abbiegen und die Mühle nahe dem berühmten Kloster Ettal nach einem Kilometer vorfinden.

Schloss-Romantik in den Bergen: Schloss Linderhof

Nach einer kräftigen Stärkung geht es nun geradewegs zur nächsten königlichen Station: Schloss Linderhof. Über Graswang [km 63] gelangt man in ein breites, bewaldetes Tal, das sich mit jedem Tritt immer weiter zuzuschnüren scheint. Vereinzelte Bäume säumen den Wegesrand, ehe man bald die Wegweiser zum Schloss [km 68,5] finden kann. Das dem französischen Stil nachempfundene Rokokoschloss Linderhof gilt dabei als das Lieblingsschloss des Märchenkönigs.

Karte zur Rennradtour Füssen und Ammergebirge

Füssen Rennrad Tour

Rennrad Tour Füssen – Ammergebirge

Für Besucher ist sowohl die Gartenlage als auch das Schloss selbst zu besichtigen. Ob man sich dafür Zeit nimmt, hängt von der Uhrzeit ab – immerhin liegt noch fast die halbe Strecke vor uns. Und die führt erst einmal weiter westwärts. Es wird immer waldiger und das Tal schmäler. Auch die Straße beginnt, stetig zu steigen. Auf den nächsten acht Kilometern müssen rund 200 Höhenmeter überwunden werden – nicht viel, aber dennoch sind einige Rampen und Serpentinen in der Bergstrecke einn gebaut, die auch einmal einen Gang in den Wiegetritt verlangen. Die Ammer mit ihrem weißen Kieselbett ist dabei stets an unserer Seite. Beeindruckend auch die umgebende Bergwelt: Zwischen Scheinbergspitz und Kreuzspitze hindurch vermitteln zwei Serpentinen mit bis zu sieben Prozent richtiges Pässefeeling, ehe man direkt im Anschluss [km 76] die Landesgrenze zu Österreich erreicht.

Achtung: Da die Sonne nur schwer in das Ammertal gelangt, kann es hier entsprechend kühl werden. Die letzten Kilometer zum Plansee führen dann größtenteils flach dahin. Unterhalb der Geierköpfe fährt man am mitten im Wald gelegenen Hotel Ammerwald [km 80] vorbei – dann ist es geschafft. Hinter einer kleinen Felsformation wartet der See [km 85]: Tiefblau bis leicht grünlich schimmert er und wenn man ganz viel Glück hat und Windstille herrscht, spiegeln sich die umliegenden Berggipfel auf seiner glatten Wasseroberfläche.

Höhepunkt der Rennrad Tour Füssen: Schloss Neuschwanstein

Die Straße schlängelt sich nun an seinem nördlichen Ufer entlang – ein Genuss zum Radeln. Leider sehen das motorisierte Fahrer vor allem an den Wochenenden genauso und so ist man hier an schönen Tagen selten allein. Nach sechs Kilometern verlässt man den See schließlich wieder. Während ganz in der Nähe die Stuibenwasserfälle vor sich hin plätschern, geht es für uns nach einem kurzen Gegenanstieg über eine breite Abfahrt hinunter ins tirolerische Breitenwang [km 95].

KÖNIG LUDWIG II. VON BAYERN
Ludwig II. bestieg bereits mit 18 Jahren den bayerischen Thron, obwohl ihm seine Liebe zur Einsamkeit schon von vornherein ein Hindernis war. Geboren am 25. August 1845 im Schloss Nymphenburg in München, verbrachte er den größten Teil seiner Kindheit in der Gegend um Füssen auf Schloss Hohenschwangau. Die Abneigung gegen die Gesetze des Hofes und die Liebe zu Einsamkeit und Literatur verbanden ihn tief mit seiner Cousine »Sissi«, der späteren Kaiserin Elisabeth von Österreich. Als König zog sich Ludwig bald in die fantastische Traumwelt seiner Schlösser zurück: Linderhof, Herrenchiemsee und Neuschwanstein – ein Märchen- schloss sondergleichen. 1886 wurde er von seinen Ministern schließlich als geisteskrank erklärt und abgesetzt. Sein letzter Aufenthaltsort sollte Schloss Berg am Starnberger See sein, wo er am 13. März 1886 auf mysteriöse Weise ertrank. Um seine Todesursache ranken sich bis heute zahlreiche Gerüchte.

Höhenprofil zur Rennradtour Füssen und Ammergebirge

Füssen Rennrad Tour

Höhenprofil Füssen Rennrad Tour

Hier muss man genau aufpassen: Am Kreisverkehr direkt am Ortseingang biegen wir rechts ab, ehe wir nach einem Kilometer erneut rechts in den Ortsteil Mühl abzweigen. Durch kleine Anliegerstraßen geht es nun weiter zum Archbach, dessen Verlauf wir nach links folgen: Wir gelangen nun auf einen schönen, einsamen Weg, der uns zuerst nach Pflach [km 99] bringt und von dort aus, nach einem kurzen Zwischenspiel auf der Landstraße L 69, auf die Pinswanger Landesstraße führt. Diese verläuft parallel zur bekannten Fernpassstraße, die auch glücklicherweise den Großteil des hier herrschenden Durchgangsverkehrs abfängt.

Oberhalb des zur Linken fließenden Lechs geht es nun dem Finale entgegen: Umgeben von Bergen und dem breiten Flusslauf zeigen hinter Pinswang [km 103] – übrigens Austragungsort eines jährlich veranstalteten Amateur-Radrennens – Wegweiser bereits das nahe Füssen an. Nach Weißhaus [km107] überqueren wir auch wieder die deutsche Landesgrenze und gelangen auf der breiten Hauptstraße so erneut zu unserem Ausgangspunkt [km110]. Noch ist die Tour allerdings nicht abgeschlossen: Das wichtigste und imposanteste Bauwerk König Ludwigs II. wartet noch: Schloss Neuschwanstein. Das liegt oberhalb von Hohenschwangau, das wir nach einem kurzen Intermezzo auf der B 17 geradeaus durch den Wald erreichen. Zuvor gibt es bereits einige tolle Aussichtspunkte auf das Schloss – in Hohenschwangau [km 113] ist man den Träumereien des Märchenkönigs dann aber noch näher.

Eine Fahrt mit dem Rennrad hinauf nach Neuschwanstein ist leider nicht erlaubt – aber man kann das beeindruckende Bauwerk dennoch besichtigen. Spätestens dann wird auch klar, warum die Region um Füssen sich so mit König Ludwig II. identifiziert – und warum diese Gegend »der Königswinkel« genannt wird.

Tourencharakter Lange Runde mit durchaus welligem Charakter. Neben einer guten Grundlagenausdauer sollte man für diese Tour unbedingt eine Windjacke mitbringen – der Abschnitt zum Plansee kann nämlich auch im Sommer empfindlich kalt werden.
Ausgangspunkt Füssen (798 m)
Endpunkt Füssen (798 m)
Karte Topografische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamts 1:200 000
Anfahrt Füssen liegt an der Autobahn A 7 sowie den Bundesstraßen B 16, B 17 und B 310.
Zug Der im Zentrum Füssens gelegene Bahnhof ist Endpunkt der Nebenlinie Biessenhofen–Füssen.
Einkehr-Tipp Gaststätte Ettaler Mühle, Ettaler Mühle 1, 82488 Ettal, Tel. 08822/64 22
Tourist-Info Füssen Tourismus und Marketing, Kaiser-Maximilian-Platz 1, 87629 Füssen, Tel. 08362/938 50, tourismus@fuessen.de www.fuessen.de
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